Wie oft muss die Bremsflüssigkeit gewechselt werden?

Einen festen Wert für alle Autos gibt es nicht. Maßgeblich ist der Wartungsplan des Herstellers für Ihr Modell. Er steht im Serviceheft, im digitalen Serviceheft des Fahrzeugs oder in der Betriebsanleitung. Dort finden Sie, ob die Bremsflüssigkeit in einem festen Zeitabstand getauscht werden soll und wann der erste Wechsel fällig ist.

In Ratgebern und Herstellerunterlagen wird häufig ein Rhythmus von etwa zwei Jahren genannt. Verbindlich ist aber nur, was für Ihr Fahrzeug dokumentiert ist. Finden Sie die Angabe nicht, fragen Sie die Werkstatt oder den Hersteller unter Angabe der Fahrgestellnummer. Die Fahrleistung spielt eine untergeordnete Rolle, weil die Flüssigkeit vor allem mit der Zeit altert.

Wie oft muss die Bremsflüssigkeit gewechselt werden?

Warum altert Bremsflüssigkeit?

Die in Pkw übliche Bremsflüssigkeit auf Glykolbasis ist hygroskopisch. Sie nimmt also Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft auf. Der Feuchteeintrag erfolgt über den Ausgleichsbehälter, der nie vollständig luftdicht ist, und über Bremsschläuche und Dichtungen, die Feuchtigkeit durchlassen. Mit steigendem Wassergehalt sinkt der Siedepunkt der Flüssigkeit.

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Das wird im Betrieb gefährlich, wenn stark gebremst wird, etwa bei langer Bergabfahrt. Die Bremsen erhitzen sich, und im Bremssystem kann sich Wasserdampf bilden. Dampfblasen lassen sich zusammendrücken. Das Bremspedal wird dann weich, und die Bremswirkung nimmt ab. Zusätzlich fördert Wasser Korrosion in Bremszylindern, Leitungen und Ventilen des ABS. Deshalb ist der Zeitfaktor entscheidend, auch bei wenig gefahrenen Fahrzeugen.

Welche Spezifikation gehört in mein Fahrzeug?

Die vorgeschriebene Spezifikation steht in der Betriebsanleitung und auf dem Behälter bzw. dessen Deckel. Sie wird oft als DOT-Klasse angegeben, etwa DOT 3, DOT 4, DOT 5.1 oder DOT 5. DOT 3, DOT 4 und DOT 5.1 sind glykolbasiert. DOT 5 ist dagegen silikonbasiert und nicht mit den anderen Typen kompatibel. Verwenden Sie daher nur den Typ, den der Hersteller für Ihr Fahrzeug vorsieht.

Auch bei den glykolbasierten Typen gilt: Nicht mischen. Eine Mischung verändert die Eigenschaften der Flüssigkeit, und der Siedepunkt der Gesamtmischung ist nicht mehr eindeutig bestimmbar. Muss das System auf einen anderen Typ umgestellt werden, sollte dies die Werkstatt übernehmen, die das System vollständig entleert und spült.

Bei Fahrzeugen mit ABS oder ESP kann der Wechsel laut Herstellerangabe eine besondere Entlüftung mit Diagnosegerät erfordern. Fragen Sie vor dem Wechsel nach, ob dies für Ihr Modell vorgeschrieben ist.

Kann ich den Zustand selbst prüfen?

Es gibt Teststreifen und Messgeräte für Siedepunkt oder Wassergehalt. Sie zeigen aber nur einen Momentwert. Welcher Grenzwert gilt, legt der Hersteller fest. Ohne diese Angabe lässt sich das Messergebnis nicht sicher bewerten, deshalb ist es nur ein Hinweis, der die Werkstatt-Entscheidung unterstützt.

Einfacher ist eine Sichtprüfung des Füllstands bei kaltem Motor. Der Stand muss zwischen den Markierungen MIN und MAX liegen. Eine dunkle, braune Flüssigkeit spricht für Alterung. Sinkt der Stand deutlich, liegt meist eine Ursache vor: Bei Scheibenbremsen bedeutet ein niedrigerer Stand häufig verschlissene Bremsbeläge, weil sich der Kolben weiter nach außen bewegt. Auch ein Leck ist möglich. Nachfüllen bis MAX ist nur mit dem richtigen Typ sinnvoll und ersetzt nicht die Ursachensuche.

Kann ich den Zustand selbst prüfen?

Was prüft die HU zur Bremsanlage?

Die Hauptuntersuchung ist in Anlage VIIIa der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) geregelt. Im Abschnitt zur Bremsanlage (Nr. 6.1) wird die Dichtheit der Gesamtanlage geprüft. Der Verlust von Flüssigkeiten, zu dem auch die Bremsanlage gehört, ist als eigener Prüfpunkt aufgeführt (Nr. 6.8.4).

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Eine ausdrückliche Prüfung des Siedepunkts oder des Alters der Bremsflüssigkeit nennt der Abschnitt nicht. Die HU ersetzt daher nicht den Wechsel nach Wartungsplan. Ein Leck oder ein auffälliger Flüssigkeitsverlust kann dagegen bei der Untersuchung zu einem Mangel führen.

Wann gehört der Wechsel in die Werkstatt?

Fahren Sie nicht weiter, wenn das Bremspedal weich wird, tiefer durchgeht als gewohnt oder sich der Bremsdruck verändert. Gleiches gilt bei leuchtender Bremswarnleuchte, sichtbarem Flüssigkeitsverlust am Rad, an Leitungen oder unter dem Fahrzeug. Lassen Sie das Fahrzeug abschleppen oder rufen Sie einen Pannendienst, statt selbst weiterzufahren.

Auch nach Arbeiten an Bremsen, Leitungen, Sätteln oder dem ABS-Steuergerät sollte die Bremsflüssigkeit fachgerecht erneuert und das System entlüftet werden. Das gilt ebenso, wenn der Wartungsplan einen Wechsel vorsieht und Sie selbst keine Erfahrung mit dem Entlüften haben.

Beim Umgang mit Bremsflüssigkeit sollten Sie Handschuhe und Schutzbrille tragen. Die Flüssigkeit kann Lack und Kunststoffe angreifen. Verschüttete Reste sofort mit Wasser abwischen.

Häufig gestellte Fragen

Wo entsorge ich alte Bremsflüssigkeit?

Altöl und Bremsflüssigkeit gehören nicht in den Hausmüll oder das Abwasser. Die Werkstatt nimmt sie in der Regel mit, alternativ bietet Ihre Kommune oder der Wertstoffhof eine Annahme für Problemabfälle an. Fragen Sie vorher nach den Annahmebedingungen.

Gilt das Intervall auch für Elektroautos?

Auch bei Elektroautos mit hydraulischen Bremsen gilt die Angabe im Wartungsplan des Herstellers. Ob und wann ein Wechsel vorgesehen ist, entnehmen Sie der Dokumentation Ihres Modells oder fragen beim Hersteller nach.

Wie lange darf eine geöffnete Flasche Bremsflüssigkeit aufbewahrt werden?

Geöffnete Gebinde nehmen rasch Feuchtigkeit auf. Verschließen Sie den Behälter sofort wieder und verwenden Sie nur kleine, frische Gebinde. Angaben zur Haltbarkeit stehen auf dem Etikett des Herstellers.

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